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Position zu Animal Hoarding
Kurzdarstellung:
Ein "Animal Hoarder" ist jemand, der Tiere in einer großen Anzahl pathologisch sammelt, aber die Tiere nicht angemessen versorgt (Futter, Wasser, Hygiene, Pflege, tieräztliche Versorgung).
Er leugnet sein Unvermögen (Unfähigkeit), den Tieren die angemessene Fürsorge zukommen zu lassen. Die Unterkunft vieler Aninal Hoarder ist unhygienisch, oft verdreckt mit Exkrementen der Tiere, anderem Müll und zum Teil liegen sogar tote und verwesende Tierkadaver herum. Oft fehlt dem Animal Hoarder die Fähigkeit selbst zu erkennen, inwelchen Umständen er/sie selbst lebt. Das gleiche gilt auch für die vom Hoarder gehaltenen Tiere. Viele Hoarder erkennen nicht, das sie die Tiere vernachlässigen und es den Tieren schlecht geht.
Es handelt sich um eine Krankheit.
Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen. Alle verfügbaren wissenschaftlichen Informationen stammen aus den USA. In den USA wurde eine interdiszilinäre Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit dem Krankheitsbild des "Animal Hoarding" beschäftigt. Die Arbeitsgruppe heißt Hording of Animals Research Consortium", kurz HARC.
Über die Therapie ist noch fast nichts bekannt. Psychiatrische Langzeitbehandlungen sind nötig, die genau auf das Krankheitsbild des Einzelnen abgestimmt sein müssen. Ohne Therapie: wird die Rückfallswahrscheinlichkeit nach Wegnahme der Tiere auf 100% geschätzt.
Kurzdarstellung einzelner wissenschaftlicher Ergebnisse:
Der Autor wertet 54 Fälle aus:
- Häufigste betroffene Tierarten: Katzen (65%) und Hunde (60%)
- Durchschnittliche Anzahl Tiere: 39 (in vier Fällen mehr als 100)
- 76% der Animal Hoarder sind Frauen
- 46% sind über 60 Jahre alt
- In 69% der Fälle war der Boden der Wohnung mit Exkrementen der Tiere bedeckt (bei ¼ der Fälle war sogar das Bett des Hoarders durch tierische Exkremente verdreckt)
- Kranke und tote Tiere in 80% der ausgewerteten Fälle.
- Knapp 60% der Kranken nehmen das Problem nicht wahr
Sichtung von 210 elektronischen Zeitungsartikeln aus den Jahren 2001/2002, die vom Hoarding of Animal Research Consortium (HARC) gesammelt wurden. Davon konnten 133 ausgewertet werden. Zusatz-informationen erhielten die Autoren in 56 der 133 Fälle (aus 26 Staaten der USA).
- Häufigste betroffene Tierarten: Hunde (46,4%) und Katzen (33,9%)
- 73,2% der Animal Hoarder sind Frauen
- 54,4 % waren im Alter von 50-59 Jahren
- Gericht: in 8 Fällen wurde psychologische Behandlung angeordnet; in drei Fällen
(5,4%) wurde für immer Tierhalteverbot erlassen; in 11 Fällen (19,6%)
wurde ein zeitlich begrenztes Tierhalteverbot erlassen, in 11 Fällen Tierzahlbegrenzung.- Diskussion: Wissenslücke, wie die weitere Entwicklung war (Rückfall); nach
Patronek ist davon auszugehen, dass es eine sehr hohe Rückfallquote gibt. Oft
folgt Umzug nach Wegnahme der Tiere, viele Hoarder fangen dann wieder
woanders an. Ein Beispiel: Haushalt mit 82 lebenden und 108 toten Katzen,
Wegnahme der Tiere, Flucht der drei Halterinnen, zwei Tage später mit 7 Katzen
und 2 Hunden in einem neuen Haus aufgefunden.
Einzelne wichtige Kernaussagen
- Animal Hoarding ist ein wichtiges, aber häufig nicht beachtetes Problem, das
Menschen und Tiere betrifft- Animal Hoarding ist gekennzeichnet durch Ausbleiben der Gewährleistung
minimaler Standards, was die Versorgung der Tiere betrifft (Hygiene, Pflege,
Tierarzt); Unfähigkeit, diese Unterversorgung zu erkennen; weitere Anhäufung
von Tieren; Leugnen der Probleme, was die Lebensbedingungen von Mensch
und Tier betreffen.- Tritt in jeder Gesellschaft auf; in USA werden mehr als 1000 Fälle pro Jahr bekannt
(Hunderttausende von Tieren betroffen). Mindestens gleich hohe Dunkelziffer
wird vermutet.- Ohne Langzeittherapie Rückfallwahrscheinlichkeit bei nahezu 100%
- Animal Hoarding tritt mit einer ganzen Bandbreite von verschiedenen körperlichen
und psychischen Krankheiten auf bzw. wird von diesen ausgelöst.- Einteilung in verschiedene Animal Hoarding Typen:
- 1. Typ: übertriebener Pfleger: u. a. versucht sich um die Tiere zu kümmern;
kann Probleme nicht effektiv lösen; alles wächst ihm über den Kopf; der Typ
spielt die Probleme herunter (aber leugnet sie i. d. R. nicht ganz), Tiere haben
für ihn einen hohen Stellenwert (sieht Tiere als Mensch), Tiere vermehren sich
(mehr passiv, nicht so sehr aktiver Sammeltyp) – für diesen Typen bestehen
die besten Therapiemöglichkeiten.- Typ: Retter, Befreier: Tiere aufnehmen versteht er als Mission; hat eigene
Todesangst und lehnt Euthanasie von Tieren strikt ab; sammelt Tiere aktiv;
glaubt, dass er der einzige ist, bei dem es die Tiere gut haben; starke Sammeltendenz;
irgendwann überschreitet die Anzahl Tiere die Möglichkeit zur Versorgung;
kann kein Tier ablehnen; vermeidet Autoritäten / Weisungen werden
nicht befolgt; ist NICHT unbedingt sozial isoliert!- 3. Typ: Ausbeuter: problematischster Typ; schafft sich Tiere ausschließlich aus
eigennützigen Zwecken an; keinerlei Einsicht in die Situation; narzisstisch,
kein Schuldbewusststein, sammelt Tiere aktiv; kann auch Behörden etc. etwas
"vorspielen" (kann "auftreten").- Zusätzlich gibt es noch den "beginndenen Hoarder" (Tiere sind noch im tolerablen
Zustand) und den Züchter-Typ (beginnt mit Zucht für Ausstellung und
Verkauf; mit der Zeit ständiges Anwachsen der Tiergruppe)- Außerdem gibt es viele Zwischenformen
Ursachen: noch weitgehend unbekannt (es wird vermutet, dass Kindheitstraumen, wie z.B. Vernachlässigung eine Rolle spielen könnten)
Arluke et. al. (2002): Press Reports of Animal Hoarding
Artikel beleuchtet die Rolle der Medien. Wie stellen Medien (Zeitungen) "Animal Hoarding" dar. Die Artikel sprechen die Gefühle der Leser an. Sie stellen kein korrektes Bild dar. Fünf emotionale Strategien konnten identifiziert werden:
- Drama: Darstellung als dramatische Kriminalstory; Krimi fängt immer an zum Zeitpunkt der überraschenden Entdeckung einer großen Anzahl Tiere, die leiden oder tot sind. Darstellung der dramatischen Rettung der Opfer.
- Ekel: Darstellung der katastrophalen Lebens- und Wohnsituation des Hoarders (Tierschutzsituation tritt zurück)
- Sympathie: Ein Teil der Artikel vermittelt Sympathie für den Hoarder ("a nice woman who needs a little help")
- Empörung: Oftmals ironische Schreibweise; v. a. dann, wenn die Hoarder eigentlich gebildet sind (z.B. Darstellung eines Pfarrers, der Hoarder ist; oder "Pferdefrau", die sogar einen Preis bekommen hat)
- Humor: z.B. witzige Darstellung, wie der Hoarder 13 Jahre Katz und Maus mit den Behörden spielte.
RECHTFERTIGUNGSSTRATEGIEN DER HOARDER:
Vaca-Guzman und Arluke (2005): Normalizing passive cruelty: The excuses and justifications of animal hoarders
Es konnten immer wieder die gleichen Strategien festegestellt werden, wie Hoarder ihre Handlungen darstellen. Es gibt zwei Strategien: Rechtfertigungs- (einschl. Ablehnung) und Entschuldigungsstrategien.
Rechtfertigung:
Entschuldigungsstrategien:
Hier werden die negativen Auswirkungen zwar eingeschränkt zugegeben, aber die
volle Verantwortung dafür abgelehnt.
Hoarder neigen zu einer festen Strategie, wie sie selbst ihr Problem darstellen. Diese Strategien brauchen die Hoarder, um ihre Illusion aufrecht zu erhalten, da die Tiere für sie wichtiger Bestandteil ihres Lebens, mit dem sie sich identifizieren, sind. Es ist wichtig, dass Experten und Behörden, die mit Animal Hoarding konfrontiert sind, die "Logik" des Hoarders verstehen.
Zukünftige Forschung: Umgang mit der "Hoarder Logik", um den Menschen und damit den Tiere zu helfen; in wieweit glauben die Hoarders wirklich, was sie sagen.
Schlussfolgerungen / Forderungen aus den Studien im Hinblick auf den Tierschutz:
Schnelles Handeln:
Oft werden jahrelang durch Veterinärämter Auflagen etc. erteilt. Die Untersuchungen
zeigen, dass das Problem dadurch NICHT lösbar ist; Bußgelder, Tierzahlbegrenzung
und auch Tierhalteverbote – ohne Therapie des Hoarders – laufen ins Leere.
Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Krankheit. Ohne Therapie löst sich das
Problem nicht.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist zum Wohl von Mensch und Tier nötig (z.B. Fall
Schwinn/Moorenmühle – Aussage Herr Dr. Stadtfeld: 2die Gedankengänge der
Schwinns haben wir nicht zu vertreten, wir scheren uns aber auch nicht darum").
Gerichte müssen das Problem ernst nehmen und entsprechende Entscheidungen treffen
(auch zeitnahe Entscheidungen: z.B. im Fall Schwinn / Moorenmühle - vorläufiges
Tierhalteverbot aus Jahr 2002 / im Jahr 2006 immer noch keine Hauptverhandlung!)
Daraus ergibt sich die dringende Forderung nach
Schlimmster Fall:
Tierschutzfall "Moorenmühle" / Familie Schwinn
Betroffen: über 500 Hängebauchschweine, ca. 300 Pferde, mehrere Hundert andere
Tiere (Ziegen, Schafe, Lamas, Geflügel)
Näheres zu dem Fall sowie anderen Fällen finden Sie unter www.tierschutzbund.de sowie in unserer Verbandszeitschrift "du und das tier"
Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.