Warum kastrieren? oder: Das Geschlechtsleben von Katze/Kater


So manch frischgebackener Katzenbesitzer fühlt sich bei dem Gedanken recht unwohl, sein Kätzchen später einmal kastrieren zu lassen. Man will "nicht in die Natur eingreifen" oder möchte seinem Vierbeiner "den Spaß nicht verderben". Die Natur ist jedoch nur auf die Arterhaltung ausgerichtet und kümmert sich nicht darum, ob den Tieren das Fortpflanzungsritual Spaß macht oder nicht. Egal ob Katze oder Kater, für beide bedeutet das Geschlechtsleben vor allem Stress! Und auch für den Besitzer ist die Haltung eines potenten Tieres nicht immer ein pures Honigschlecken...

Etwa ab dem 9 - 10 Monat, manchmal aber auch schon wesentlich früher, werden Katze und Kater geschlechtsreif. Bei Katern macht sich das gerne mit vorwiegend nächtlichen "Gesängen" bemerkbar - bevorzugt an der Haustüre oder im Bad, wo es schön hallt, damit auch alle anderen Hausbewohner von den sehnsüchtigen Rufen nach einer kätzischen Braut etwas mitbekommen. Oft gehen diese Katergesänge mit den ersten Markierversuchen einher: Alles Mögliche wie Wände, Möbel, Teppiche wird mit einem gezielten Strahl scharfriechendem Urin eingeduscht. Bei einem freilaufenden Kater hat der Besitzer gelegentlich das Glück, dass der häusliche Bereich verschont bleibt, aber dafür im Katerrevier draußen umso stärker markiert wird - was vor allem die Nachbarn "freut"... wer hat schon gerne Raubtiergeruch an seinen Autoreifen oder an der Terrassentür?

Unkastrierte Kater können launisch oder depressiv werden, wenn sie keine Möglichkeit zum Decken haben. Mitkatzen oder -kater in der Wohnung, egal ob willig oder nicht, werden gerne für "Übungszwecke" (Aufreiten) missbraucht oder auf andere Weise belästigt (plötzliche "Überfälle" und Rangeleien). Freigänger überwinden auf der Suche nach einer geigneten Katzendame oft große Entfernungen und sind dabei besonders gefährdet, überfahren zu werden oder auf sonstige Art zu verunfallen bzw. auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Die manchmal monatelange Abwesenheit oder das dauerhafte Verschwinden eines unkastrierten Katers kann aber auch daran liegen, dass besonders jüngere Tiere die ständigen Auseinandersetzungen mit einem überlegenen Kater scheuen und sich deshalb entscheiden, aus dem umkämpften Gebiet "auszuwandern".


Echte Revier- und Konkurrenzkämpfe mit anderen Katern sind der Gesundheit nicht gerade zuträglich: unwiderruflich zerfledderte Ohren, ein zerkratztes Auge oder Abszesse unter der Haut, die sich durch einen gezielten Krallenhieb eines kätzischen Gegners gebildet haben, verursachen hohe Tierarztkosten. Ganz zu schweigen von lebensbedrohlichen Krankheiten wie Leukose oder FIV (Felines Immunschwäche-Virus), die beim direkten Kontakt mit fremden Katzen/Katern übertragen werden können.

Die Paarungsbereitschaft der Katze nennt man "Rolligkeit". Typische Rolligkeitsmerkmale: die Katze hat eine zeitweise erhöhte Temperatur, sie presst sich flach an den Boden, streckt ihr Hinterteil in die Höhe, mit einem seitlich gestellten Schwanz. Zwischendurch stößt sie gurrende bis röhrende Klagelaute aus, die teilweise schon an Lärmbelästigung grenzen. Sie wälzt/rollt sich wie wild auf dem Boden, frisst kaum oder nichts, oder erbricht ihr Futter nach jeder Mahlzeit. Viele Katzen urinieren auch häufiger und haaren stark. Es kam schon vor, dass unerfahrene Katzenbesitzer bei diesen Symptomen eine schwere Erkrankung ihres vierbeinigen Lieblings befürchteten und eiligst den Tierarzt aufsuchten.


Viele rollige Katzen vermitteln den Eindruck, sie wären "ferngesteuert" - ihr ganzes Trachten ist auf das Gedecktwerden ausgerichtet. Selbst vor dem Futternapf wird da noch der Schwanz seitlich gehalten, es könnte ja ein Kater vorbeikommen. Andere wiederum müssen sich erst an diesen besonderen Zustand gewöhnen und wirken - besonders während ihrer ersten Rolligkeit - mehr oder weniger hilflos und verwirrt.

Jede Rolligkeit ist für die Katze Stress in Reinkultur, was auch Auswirkung auf das aktuelleImmunsystem haben kann (Schwächung der Abwehrkräfte). Da rollige Katzen kaum Futter aufnehmen oder bei sich behalten, ist in dieser Zeit eine deutliche Gewichtsabnahme nicht ungewöhnlich. Pointkatzen wie Ragdoll, Siam und Birma bekommen während der Rolligkeit manchmal "gebrindelte", d.h. abwechselnd weiß und farbig gestreifte Haare in der Gesichtsmaske und an den Ohren (vermutlich durch die Temperaturerhöhung/eine stärkere Durchblutung der Haut), und es dauert eine ganze Weile, bis sich die Fellfarbe wieder normalisiert. Andere Katzen in der Wohnung, selbst wenn sie ebenfalls unkastriert sind, fühlen sich durch das Verhalten von rolligen Katzen oft genervt und können ziemlich sauer reagieren - was nicht unbedingt zum Frieden in der Katzengruppe beiträgt.

Rollige Katzen sind übrigens ebenfalls wahre Experten darin, die geeignetsten Plätze auszuwählen, damit ihre durchdringenden Rufe nach einem Bräutigam weithin Gehör finden (Nachtruhe ade!) und in der ganzen Wohnung zu markieren, um durch ihren "Duft" potente Kater von nah und fern anzulocken (die sich wiederum markierenderweise auf Ihrem Grundstück oder - falls sie die Möglichkeit haben, irgendwie ins Haus einzudringen - sogar in Ihrer Wohnung "verewigen" können). Und auch für freilaufende rollige Katzen ist ein erhöhtes Gesundheits-/Verletzungsrisiko nicht zu unterschätzen. Allein schon der sog. Nackenbiss des Katers, mit dem die Kätzin bei der Paarung festgehalten wird, kann zu einer ernsthaften Wundinfektion/einem Abszess im Genickbereich der Katze führen und ist - neben dem eigentlichen Deckakt - gleichzeitig ein idealer Übertragungsweg für Leukose- oder FIV-Viren.

Die Rolligkeit dauert ca. 3 - 7 Tage. Eine Katze wird normalerweise 2 - 3 Mal pro Jahr rollig, und wenn sie nicht gedeckt wird, auch öfter bis hin zur Dauerrolligkeit. D.h. die Rolligkeitssymptome hören überhaupt nicht mehr auf, oder eine Rolligkeit folgt der nächsten, mit nur einer kleinen Pause dazwischen. Die ständigen Hormonschwankungen können zu einer lebensgefährlichen eitrigen Gebärmutterentzündung (Pyometra) oder anderen Gesundheitsproblemen führen, unkastrierte Katzen sind auch für Krebserkrankungen, besonders in der Gesäugeleiste, anfällig.

Mit der Verabreichung von Hormonen kann man zwar versuchen, sowohl Katze als auch Kater "ruhigzustellen", aber während die Katze tatsächlich mit der "Pille" nicht mehr rollig wird (es scheint aber auch Katzen zu geben, bei denen die Pille nach längerer Gabe nicht mehr anschlägt), zeigen Hormone bei Katern nur selten die gewünschte Wirkung. Außerdem ziehen Hormongaben bei beiden Geschlechtern stets ein stark erhöhtes Gesundheitsrisiko (vor allem Krebs, Diabetes, bei der Kätzin auch Gebärmutterentzündung) nach sich und sind daher nur in Ausnahmefällen empfehlenswert. Falls einmal wirklich irgendwelche Hormongaben nötig werden sollten, würde ich persönlich jederzeit Tabletten bevorzugen, da man die Wirkungsweise und -dauer bei Hormonspritzen nur wenig einschätzen kann (Nachtrag: Soweit ich gehört habe, wurde zumindest hier in Deutschland der Verkauf von Tabletten zur Verhinderung/zum Abbruch der Rolligkeit bei Katzen ab Mitte 2003 eingestellt, d.h. es sind nur noch Hormonspritzen möglich).

Aber selbst wenn man zu den wenigen glücklichen Katzenbesitzern gehört, deren erwachsene unkastrierte Tiere die "Unarten" nicht oder nur sehr abgeschwächt zeigen, die für potente Kater/Katzen typisch sind und man damit problemlos mit ihnen zusammen leben kann, gibt es einen weiteren wichtigen Punkt, der für die Kastration spricht: die Katzen-Überpopulation!

Angesichts der überquellenden Tierheime verbietet sich der Freilauf von unkastrierten Tieren eigentlich von selbst, und auch eine bewusst in Kauf genommene Verpaarung will gut überlegt sein. "Den-Kindern-einmal-das-Wunder-der-Geburt-zeigen-wollen" ist gewiss kein guter Grund für "nur mal einen Wurf". Leider gibt es immer wieder Katzen, die wegen ihrer Trächtigkeit ausgesetzt wurden, einige hatten wenigstens das Glück, auf die eine oder andere Weise bei einer Tierschutzorganisation zu landen.

Dass eine Katze vor der Kastration wenigstens einmal Junge gehabt haben muss, ist übrigens ein altes Ammenmärchen. Ein Wurf trägt weder zur charakterlichen Festigung, noch zum körperlichen Wohlbefinden bei, ganz im Gegenteil. Hat die Mutterkatze einen Charakterfehler, ist z.B. scheu oder aggressiv, so kann sich das durchaus auf den Nachwuchs vererben. Und wenn man Pech hat, gibt es vor, während oder nach der Geburt Komplikationen, wie z.B. ein notwendiger Kaiserschnitt, die im Ernstfall sogar das Leben der Mutterkatze gefährden können.

 

In welchem Alter kann eine Katze/ein Kater kastriert werden?

Bis vor ein paar Jahren galt allgemein der Grundsatz, Katzen/Kater erst nach Eintritt der Geschlechtsreife zu kastrieren - d.h. Katzen frühestens nach der ersten Rolligkeit und Kater, sobald es im Katzenklo etwas strenger zu riechen beginnt oder der Kater anfängt zu markieren bzw. andere "Vollkater-Anzeichen" zeigt. Auch heute noch sind einige Leute der Ansicht, dass erst ab einer gewissen Reife/einem gewissen Alter, z.B. ein Jahr, der Harntrakt so ausgebildet ist, dass Kater später weniger zu Harngrießproblemen neigen. Außerdem wird befürchtet, dass bei einer zu frühen Kastration bei beiden Geschlechtern der Kopf der Tiere zu klein bleiben könnte. Auf der anderen Seite sagt man früh kastrierten Tieren zuweilen nach, sie würden länger wachsen und damit größer werden, da sich die Wachstumsfugen der Knochen erst später schließen, wenn die Keimdrüsenhormone fehlen.

Langjährige Studien weisen jedoch zwischenzeitlich darauf hin, dass das Alter des Tieres bei der Kastration keinen Einfluss auf die Gesundheit und die weitere Organentwicklung des Katers/der Katze hat. Und was die Größe betrifft, so kann man wahrscheinlich nicht unbedingt erwarten, dass ein sehr jung kastrierter Kater die typischen Katerbacken entwickelt, die sich auch bei Vollkatern normalerweise erst im Lauf der Zeit herausbilden.

Meiner Meinung nach gibt es eigentlich keine Faustregel für das ideale Kastrationsalter, es kommt stets auf das jeweilige Tier und die jeweilige Situation an. Ich selbst tendiere zwar rein gefühlsmäßig für eine eher spätere Kastration, so ab 10 - 12 Monate, aber manchmal ist ein früher Eingriff einfach nötig, und bis jetzt habe ich dabei auch noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Eine frühzeitige Kastration ist z.B. anzuraten, wenn man ein Geschwisterpärchen aufgenommen hat, und der Kater rutscht schon bald und andauernd auf seiner Schwester herum - diese ständigen Belästigungen sind sehr stressig für ein Katzenmädchen. Außerdem sind solch frühe und vor allem viel zu enge Verpaarungen unter allen Umständen zu vermeiden! Der Kater merkt es i.d.R. als Erster, wenn sich eine Gelegenheit bietet, egal ob verwandt oder nicht. So schnell kann man gar nicht schauen, bis eine Katze gedeckt ist (d.h., wenn man eine Verpaarung unbedingt verhindern möchte. Aber wehe, der Katzennachwuchs ist sorgfältig geplant - dann klappt es oft ewig nicht...).

Auch bei einem sehr willensstarken sog. "Alphatier", das sich schon bald als "Rudelchef" etablieren möchte, oder ein Kater, der frühzeitig geschlechtsreif wird und mit seinem Verhalten die ganze Familie nervt, würde ich nicht mehr allzulange mit der Kastration warten. Weibliche Tiere kann man ggf. noch eine Weile mit Hormonen "herüberretten", aber wenn man später nicht mit der Katze züchten möchte (Achtung: Hormongaben sind nicht ungefährlich - siehe die Ausführungen bei "Warum kastrieren? oder: Das Geschlechtsleben von Katze/Kater"), warum dann mit der Kastration warten?

Die meisten Tierärzte sind heutzutage gerne bereit, eine Kastration bereits ab dem 6. bis 8. Lebensmonat vorzunehmen, vorausgesetzt das Tier ist gesund und körperlich und seelisch entsprechend entwickelt. Man hat herausgefunden, dass eine Kastration vor Eintritt der Geschlechtsreife dazu beitragen kann, bei weiblichen Tieren spätere Krebserkrankungen zu vermeiden. Und Kater, die kastriert wurden, bevor sie hormonbedingt zu markieren begannen, hatten auch später keine Probleme damit. Je länger ein Kater markieren "darf", desto größer ist die Gefahr, dass er auch nach der Kastration nicht mehr damit aufhört

Echte Frühkastrationen sind hierzulande noch recht umstritten und werden bis dato auch nur von sehr wenigen Tierärzten praktiziert, meist ausschließlich auf ausdrücklichen Wunsch des Züchters. Die USA war Vorreiter der Methode, Kätzchen bereits im zarten Alter von 12 - 13 Wochen zu kastrieren.

Während unser Tierschutzgesetz untersagt, gesunde Katzen und Hunde einzuschläfern, ist in den USA die massenhafte Tötung von herrenlosen Vierbeinern an der Tagesordnung, um das Tierelend wenigstens einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Tatsächlich werden pro Jahr in den USA Millionen von heimatlosen Katzen und Hunden eingeschläfert, die nicht innerhalb einer bestimmten Zeit, oft nur ein paar Tage, ein Zuhause finden. Sog. "No-Kill Shelters", d.h. Tierheime, die wie bei uns üblich alle aufgenommenen Tiere füttern und pflegen, bis sie vermittelt werden können, sind eher selten. Dabei haben vor allem Jungtiere eine Chance, "adoptiert" zu werden. Und damit diese in ihrer neuen Familie nicht wiederum für neuen Nachwuchs sorgen, begann man, bereits Hunde- und Katzenwelpen vor der Abgabe zu kastrieren.
 

Aber selbst in den USA sind längst nicht alle Tierärzte bereit, Tiere in einem so jungen Alter zu kastrieren, und es ist zuweilen recht schwierig, eine entsprechende Praxis zu finden, die nicht nur willig, sondern auch kompetent ist. Die Kastration von solch jungen und kleinen Kätzchen stellt in der Tat spezielle Anforderungen an die Narkose und Operationsmethode. Und es ist sicher auch nicht immer ganz so einfach, potentiellen Käufern ein frühkastriertes Kätzchen "schmackhaft" zu machen. Viele sind erst mal schockiert, wenn sie hören, dass das Kätzchen bereits unfruchtbar gemacht wurde. Abgesehen davon können die Katzenkinder natürlich auch erst etwas später als sonst in ihr neues Zuhause umziehen. Eine gleichzeitige Impfung, Kastration und Abgabe wäre mit knapp 3 Monaten wahrlich zu stressig für das Tier
 

Trotzdem setzen sich Frühkastrationen in den USA immer stärker durch und sind mittlerweilen nicht nur im Tierschutz, sondern auch unter Züchtern sehr beliebt. Ein Jungtier bereits kastriert abzugeben, ist sicherlich eine exzellente Maßnahme, um zu verhindern, dass mit dem Tier später unter der Hand gezüchtet bzw. "vermehrt" wird und es somit vor skrupellosen Geschäftemachern zu schützen. Außerdem wird berichtet, dass um die 12 Wochen alte Kätzchen den Eingriff viel problemloser und schneller verarbeiten würden, als 5 Monate alte oder ältere Tiere. Für den neuen Besitzer wiederum hat es den Vorteil, dass er sich nicht mehr selbst um die Kastration seines Lieblings kümmern muss. Nun, es wird sich zeigen, ob im Lauf der Zeit die Frühkastration auch bei uns Fuß fassen wird.

Im Gegensatz zum Menschen kommen unsere Feliden nicht in die Wechseljahre. D.h., noch mit 15 Jahren und länger sind sie fortpflanzungsfähig und es kann zu unerwünschtem Nachwuchs kommen.

Das das Höchstalter für eine Kastration angeht, so gibt es keine bestimmte Grenze. Aber auch der Eingriff bei einem weitaus älteren Tier sollte eigentlich kein Problem darstellen, solange es vor der Kastration gründlich vom Tierarzt durchgecheckt und für operationsfähig erklärt wurde.

 

Ist die Kastration gefährlich, gibt es negative Auswirkungen?

Eine Kastration gehört zwar zu den absoluten Routineoperationen, aber wie bei jedem Eingriff besteht doch immer ein gewisses Operationsrisiko, das sich vor allem auf unvorhersehbare Narkose-Nebenwirkungen und Nachblutungen bezieht. Um wenigstens im Vorfeld alle vermeidbaren Risiken auszuschließen, sollte man seinen vierbeinigen Liebling deshalb im Idealfall nur einem erfahrenen Tierarzt mit gut ausgerüsteter Praxis anvertrauen, der auch einfache Operationen wie eine Kastration ernst nimmt, und für den es selbstverständlich ist, alle nötigen Untersuchungen (Überprüfung der Herztätigkeit, etc.) vor und während der OP durchzuführen und die Narkoseart und -dosierung sorgfältig dem jeweiligen Tier anzupassen.

Aktuell rollige Katzen sollten keinesfalls kastriert werden. Bei einer Rolligkeit ist das Gewebe stark durchblutet, was das Operationsrisikio um ein vielfaches erhöhen würde! Da die Katze ja sowieso kastriert werden soll, kann man hier ggf. Hormontabletten vom Tierarzt geben, um die Rolligkeit vorzeitig abzubrechen. Nach einer Wartezeit von ca. 1 Woche bis 10 Tage nach den letzten Rolligkeitssymptomen kann die Katze dann problemlos operiert werden.

Einige Katzenbesitzer befürchten, ihr Tier könnte nach der Kastration fett und faul werden. Tatsächlich legen die einen oder anderen Katzen und Kater nach dem Eingriff ganz schön an Gewicht zu, besonders wenn es sich um ein reines Wohnungstier handelt. Meiner eigenen Erfahrung nach liegt das weniger darin begründet, dass Kastraten Futter besser verwerten oder sich plötzlich weniger bewegen würden, sondern sie scheinen wirklich mehr Hunger zu haben oder beginnen, aus Lange weilezufuttern.VieleunkastrierteKatzen/Kater sind eher zu dünn und deshalb schadet es eigentlich nichts, wenn sie endlich mal etwas "auf die Rippen bekommen". Daher sollte man einfach mal beobachten, ob sich eventuelle anfängliche "Fressanfälle" nach einiger Zeit normalisieren und ein erreichtes, noch akzeptables Gewicht langfristig beibehalten wird. Einige Tipps, wie man Speckröllchen bei der Katze vermeiden oder abbauen kann, werde ich noch auf einer gesonderten Seite zusammenstellen.

Etliche Vertreter sehr großer und schwerer Rassen entwickeln überhaupt erst nach dem Wegfall der Geschlechtshormone den gewünschten massiven Körperbau. Besonders bei Langhaarkatzen wird einige Zeit nach dem Eingriff auch die Verbesserung der Fellstruktur deutlich - nicht selten überraschen Kastraten ihre Besitzer mit einer vorher noch nie dagewesenen Haarpracht. Kurz gesagt - normalerweise sieht ein kastriertes Tier einfach besser aus, da sich der Körper nicht mehr mit den ständigen Hormonschwankungen auseinandersetzen muss. Aus diesem Grund werden auf Ausstellungen kastrierte und unkastrierte Katzen auch stets getrennt voneinander gerichtet. Übrigens habe ich es auch schon erlebt, dass eine Katze nach der Kastration erst so richtig "aufgeblüht" ist.

Besonders in ländlichen Gebieten werden Katzen nicht nur als Schmusetier gehalten, sondern erfüllen auch eine wichtige Aufgabe als Mäusefänger. Bedenken, dass ein kastriertes Tier weniger oder vielleicht gar nicht mehr jagen würde, sind normalerweise unbegründet. Da die zeitaufwändige Braut-/Bräutigamsuche und die Jungtieraufzucht bei einem Kastraten wegfällt, bleibt viel mehr Zeit und Muße, sich der Jagd zu widmen. Außerdem verstärkt sich die Bindung zum Haus.

Zuweilen wird eine Kastration auch aus Angst vor möglichen Charakterveränderungen der Katze/des Katers herausgezögert. Tatsächlich kann nach der Kastration häufig eine Änderung des Verhalten beobachtet werden, allerdings deutlich hin zum Positiven! Die meisten Kastraten sind noch viel anhänglicher, verschmuster, ausgeglichener und verträglicher als vorher - manchmal ist es wirklich erstaunlich, was ein paar Hormone - oder besser: das Fehlen davon - bewirken können.

Katzen-Zoff ist allerdings vorprogrammiert, wenn sich sensible Mitkatzen vor dem anhaftenden "Tierarztgeruch" und den unbeholfenen oder ruckartigen Bewegungen der von der Restnarkose noch etwas benebelten Katze so graulen oder gar bedroht fühlen, dass sie ungewöhnlich aggressiv auf den gerade nach Hause gekommenen Katzenkumpel reagieren. Im schlimmsten Fall ist das zwischenkätzische Verhalten auf Dauer so gestört, dass die Tiere nur noch mit Müh' und Not, manchmal aber auch gar nicht mehr, aneinander gewöhnt werden können. Dieses Problem kann man aber bestens umgehen, indem man die frisch kastrierte Katze für ca. 24 Stunden, zumindest aber bis zum nächsten Morgen, strikt von ihren Mitkatzen trennt, bis sich die Narkose vollständig abgebaut hat und auch der gewohnte Eigengeruch der Katze zurückgekehrt ist. Ein allen Tieren ins Fell eingeriebener, intensiv duftender Babypuder (reines Talkum) überdeckt evtl. vorhandene Rest-Fremdgerüche und schafft einen neuen, einheitlichen "Familiengeruch".

Speziell in einem Mehrkatzenhaushalt mit "gemischtem Bestand", d.h. kastrierte und unkastrierte Katzen/Kater, kommt es gelegentlich vor, dass ein Tier nach der Kastration seinen angestammten Platz in der Katzengruppe verliert und in der Hierarchie mehr oder weniger nach unten abrutscht. Normalerweise spielt sich die neue Rangordnung in der nächsten Zeit auch problemlos von selbst ein. Auseinandersetzungen zwischen Katzen sehen oft gefährlicher aus als sie tatsächlich sind, je weniger der Mensch sich einmischt, desto besser. Bedenklich wird es nur, wenn der neue Kastrat plötzlich unübersehbar und andauernd von anderen Mitkatzen traktiert und/oder unterdrückt wird. In einer solchen Situation muss rasch eingeschritten werden, um ernsthafte Verletzungen an Leib und Seele der Tiere zu verhindern.

Allgemeine Tipps einer Verhaltensexpertin: Den Stärkeren in seiner Stellung unterstützen, ihn also zuerst begrüßen, zuerst füttern, zuerst streicheln. Es muss für den Unterlegenen genügend Rückzugsmöglichkeiten geben. Psychisch unterstützend kann eine Bachblütentherapie wirken, außerdem trägt evtl. ein Wohlfühlhormon zur Entspannung bei, das es als Spray oder Zerstäuber für die Steckdose beim Tierarzt gibt. Ggf. die Katzen bei einem Spezialisten für Verhaltenstherapie vorstellen.

 

Operationsvorbereitung und -nachsorge

Verschiedene Quellen empfehlen homöopathische Arnika D 30-Gaben ab ca. 3 Tage vor der Operation, was Blutergüsse und Schwellungen verringern und eine rasche Wundheilung unterstützen soll, und ich habe auch bei mir selbst (Bauch- und Knie-OP) sowie bei meinen Katzen nur gute Erfahrungen damit gemacht. Mittlerweile gibt es aber Hinweise darauf, dass Arnika vor der Operation gegeben gerade eine erhöhte Blutungsneigung auslösen könnte und deshalb zur Sicherheit erst nach der Operation verabreicht werden sollte.

Genauso sollte man wohl vorsichtshalber von der vorherigen Gabe von Bachblüten (Notfalltropfen/Rescue) für ängstliche Tiere absehen. Denn auch hier gehen die Meinungen sehr auseinander. Während einige Tierärzte den Einsatz der Tropfen vor einem Eingriff befürworten, raten andere neuerdings davon ab, mit der Begründung, dass die Notfalltropfen ggf. dazu beitragen, dass das Narkosemittel nicht oder nur sehr verzögert wirkt. Das kann jedoch dazu führen, dass erst mal nachdosiert werden muss, wobei die volle Wirkung des Narkotikums vielleicht erst Stunden später eintritt und es dann im schlimmsten Fall durch die Überdosierung zu einem Herzversagen des Patienten kommt.

Wenn Sie den Kastrationstermin ausmachen, wird man Sie sicher auch gleich darauf hinweisen, dass Ihr Tier etwa 8 - 12 Stunden vor dem Eingriff nichts mehr fressen, und einige Stunden davor nichts mehr trinken darf. Auch wenn es vielleicht schwerfällt, den bittenden Blicken seines vierbeinigen Lieblings zu widerstehen, sollten Sie unbedingt durchhalten. Sobald die Narkose zu wirken beginnt und sich der Körper entspannt, löst ein voller Magen häufig Erbrechen aus. Die Schutzreflexe, die im Wachzustand ein Verschlucken in die Lunge schützen, sind in der Narkose jedoch ausgeschaltet und es kann böse ausgehen, wenn der Mageninhalt, insbesondere der saure Magensaft, in die Lunge gelangt. Im schlimmsten Fall entstehen irreparable Schäden, die sogar zum Tod des Tieres führen können.

Überlegen Sie schon im Vorfeld, ob es etwas gibt, das man gleich miterledigen könnte, wenn die Katze schon mal in Narkose liegt. Anbieten würde sich z.B. eine gründliche Zahnreinigung per Ultraschall, eine evtl. Tätowierung oder die Kennzeichnung mittels Mikrochip. Vor einer gleichzeitigen Impfung würde ich allerdings unbedingt abraten. Leider treten heutzutage immer häufiger Impfreaktionen auf, die das betroffene Tier ziemlich beeinträchtigen können. Besonders fatal kann sich dies bei allergischen Reaktionen auswirken, die schon für einen topfiten Organismus eine große Belastung darstellen, von einem durch die Narkose und dem chirurgischen Eingriff geschwächten Körper ganz zu schweigen. Außerdem ist fraglich, ob sich der Impfschutz überhaupt komplett entwickeln kann, solange das Narkosemittel nicht abgebaut ist/sich der Körper noch nicht vollständig von der Operation erholt hat. Deshalb mit der Impfung lieber bis ein paar Wochen nach der OP warten oder zuerst impfen und den Termin der Kastration entsprechend verschieben.

Inklusive Narkose dauert die Kastration bei der Katze etwa 1 Stunde, der Eingriff beim Kater ist dagegen erheblich schneller, d.h. nach ca. 20 Minuten, erledigt. I.d.R. bleiben die frisch operierten Patienten so lange in der Tierarztpraxis, bis sie wieder in der Lage sind, selbst aufzustehen. Bei einem Operationstermin am Morgen kann man seinen vierbeinigen Liebling also normalerweise am Nachmittag unbesorgt wieder abholen. Bis dahin wird der Tierarzt mehrfach überprüfen, wie es der Katze/dem Kater geht und kann bei etwaigen Problemen sofort reagieren. Gibt man Ihnen das Tier dagegen sofort nach dem Eingriff mit, müssen Sie die Aufwachphase überwachen. In jedem Fall sollten Sie Ihren Liebling nur in einem ausreichend großen Transportbehälter abholen, wo er bequem ausgestreckt liegen kann, damit die Atmung nicht behindert wird.

Auch wenn der Patient schon einigermaßen wach ist, wird es noch mehrere Stunden dauern, bis sich die Narkose restlos verflüchtigt hat. In diesem Zustand kann jedoch oft die Blase noch nicht richtig kontrolliert werden. Betten Sie die Katze deshalb auf eine dicke, saugfähige Unterlage, die beim evtl. Einnässen problemlos ausgewechselt werden kann (stellen Sie aber trotzdem zur Sicherheit eine saubere Katzentoilette in unmittelbarer Nähe auf, manche Katzen wanken lieber mit letzter Kraft auf's Kistchen, bevor sie ihre Schlafunterlage beschmutzen). Überhaupt sollte das Tier möglichst warm, ruhig und etwas abgedunkelt liegen, am besten am Boden, damit es nicht irgendwo herunterfallen kann. Lautes Kindergeschrei, Radiomusik oder Fernseher, sowie grelles Licht sind in der postoperativen Phase eine echte Belastung für den Patienten.

Besitzen Sie noch andere Tiere, achten Sie bitte genau darauf, wie diese auf die gerade nach Hause gekommene Katze reagieren. Manche haben ihren Katzenkumpel bereits schrecklich vermisst und können es kaum mehr erwarten, ihn zu begrüßen. Die operierte Katze wird von oben bis unten geputzt, es wird gekuschelt und getröstet. Wie schon oben in der Rubrik "Ist die Kastration gefährlich, gibt es negative Auswirkungen?" erwähnt, kann es aber auch ganz anders ausgehen. Bemerken Sie auch nur den Hauch von Aggressionen oder Angstreaktionen gegenüber dem Patienten, trennen Sie die Tiere sofort! voneinander, mindestens bis zum nächsten Morgen.

Ein oder zwei Tröpfchen eingetrocknetes Blut auf der Liege-Unterlage sind zwar noch nicht Besorgnis erregend, aber auf jeden Fall ein Grund, das Tier ein wenig intensiver zu betrachten. Echte Nachblutungen sind bei einer Kastration nicht normal. Sollten Sie also feststellen, dass die OP-Wunde Ihrer Katze/Ihres Kater tatsächlich fortdauernd mehr oder weniger stark blutet, kontaktieren Sie bitte umgehend Ihren Tierarzt!

Wasser und Futter erst wieder zur Verfügung stellen, wenn sichergestellt ist, dass der Patient bereits wieder so wach ist, dass er sich nicht versehentlich verschlucken kann. Wer mit Homöopathie-Gaben die Abheilung unterstützen möchte, dem kann ich neben dem bereits erwähnten Arnica D 30 (1 - 2 x täglich eine Tablette) alternativ "Traumeel" von der Firma Heel wärmstens empfehlen (ca. 3 x täglich eine Tablette). Aufgrund der BSE-Fälle hierzulande wurde in Deutschland - und vielleicht auch in einigen anderen Ländern - bisher verwendete natürliche Nahtmaterialien (wie das sog. "Catgut" aus Schafsdarm) verboten und durch Kunstoff ersetzt. Leider wird dieses neue Material nicht von allen Katzen gleich gut vertragen, z.B. können sich als Reaktion auf das Nahtmaterial dicke "Knubbel" unter der Haut bilden. Unsere Jonah hatte nach einer Bauch-OP wochenlang eine fast Tischtennisball große Schwellung in der Unterhaut, nach 3 Tagen Traumeel-Gaben war nicht mehr das geringste davon zu sehen oder zu fühlen (eine geringfügige Schwellung der OP-Stelle ist aber ganz normal, bis sich der Unterfaden von selbst aufgelöst hat, was einige Zeit dauern kann. Wenn Sie also eine gewisse Erhebung sehen oder spüren, muss das nicht unbedingt gleich eine allergische Reaktion sein). Und auch bestehende Blutergüsse werden mit Traumeel sehr rasch abgebaut.

Feind Nr. 1 der problemlosen Wundheilung ist ein ständiges Schlecken und Knabbern an den Wundrändern und Fäden. Im Gegensatz zu Hunden neigen Katzen zum Glück weniger dazu, sich neben der normalen, anfangs durchaus etwas intensiveren Reinigung des OP-Bereichs übermäßig mit der Naht zu beschäftigen. Trotzdem muss man damit rechnen, beobachten Sie Ihr Tier deshalb genau. Eigentlich sollte man es gar nicht so weit kommen lassen, aber haben sich einmal nässende, rote Stellen an oder um die Wunde gebildet, oder hat es die Katze gar schon geschafft, einen Faden durchzuknipsen, wird es allerhöchste Zeit, einzugreifen. Sowohl für das Tier als auch für den Besitzer wäre es sehr unangenehm, müsste die Wunde nochmals genäht werden oder würde sie sich ernsthaft infizieren.

Beim weiblichen Tier reicht zuweilen eine Art Verband um die Bauchmitte, um die Operationsstelle zu schützen. Einige findige Katzenbesitzer haben Strümpfe, Strampelanzüge oder Kinder-T-Shirts erfolgreich zu einem Schleck-Schutz umfunktioniert. Manche hartnäckigen "Spezialisten" lassen sich aber auch dadurch nicht vom Schlecken und Knabbern abhalten, hier bleibt einem nichts anderes übrig, als dem Patienten einen Kunststoff-Halskragen vom Tierarzt anzulegen. Bei besonders dicken Katerköpfen ist es manchmal ausreichend, den Kragen ohne weitere Befestigung einfach über den Kopf zu stülpen. Ansonsten empfiehlt es sich, den Kragen mit einer Mullbinde oder ähnlichem am Hals festzumachen, und zwar so, dass nichts abgeschnürt wird, der Halskragen aber auch nicht einfach mit den Pfoten wieder abgestreift werden kann.
 

Zu Beginn wird die Katze sicher alles versuchen, um das lästige Ding wieder loszuwerden; hat sie dabei ein Erfolgserlebnis, verstärkt das nur den Drang, immer wieder gegen den Halskragen anzukämpfen. Aus diesem Grund sollte man den Kragen zwischendurch auch nicht abnehmen, man tut der Katze keinen Gefallen damit. Bleiben Sie hart, auch wenn Ihr Liebling anfangs etwas unglücklich dreinsieht oder absichtlich mit Karacho gegen Türstöcke oder Möbelkanten stößt. Katzen finden sich üblicherweise schnell mit einem Halskragen ab, es ist ja nur für ein paar Tage. Sie können der Katze in dieser Zeit Klobesuche erleichtern, indem Sie etwaige Toilettenhauben entfernen. Die Futter- und Wasseraufnahme ist i.d.R. nicht beeinträchtig, ansonsten die Schüsselchen von der Größe her dem Halskragen anpassen. Außerdem sollte man bei Langhaarkatzen ab und an das Fell rund um den Halsbereich auf Verknotungen kontrollieren, die sich durch das Tragen des Halskragens bilden können.

Kater sind schon nach kurzer Zeit wieder fit wie eh und je, Katzen dagegen brauchen meist ein paar Tage, um sich vollständig von dem Eingriff zu erholen. Freigänger sollten so lange in der Wohnung gehalten werden, auch damit kein Schmutz in die Wunde gelangt. Sofern der Tierarzt für die Außennaht kein selbstauflösendes Nahtmaterial verwendet hat, können beim weiblichen Tier nach 10 Tagen die Fäden gezogen werden, beim Kater ist ein Fädenziehen nicht nötig. Schon bald ist das Fell nachgewachsen und der Eingriff vergessen.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei  Renate Wald ( www.ciara.de ), daß wir ihren Text in Auszügen ausnahmsweise übernehmen durften.  Das  Kopieren ist ausdrücklich verboten.

copyright 2005 Renate Wald

 

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